CADR-Wert und Raumgröße: für welchen Raum ein Luftreiniger wirklich reicht
„Für Räume bis 80 m²" steht auf vielen Kartons. Wie ein Hersteller darauf kommt, legt kein Datenblatt offen — wir setzen deshalb einheitlich einen vorsichtigen Abschlag von der Hälfte an, damit die Angabe für die zwei bis vier Luftwechsel je Stunde reicht, die in Allergiker-Haushalten üblich sind. Hier steht der Rechenweg.
📌 Das Wichtigste in Kürze
- CADR (Clean Air Delivery Rate, Luftdurchsatz in m³/h) ist die belastbare Kennzahl, nicht die Quadratmeterangabe.
- Faustformel: Raumfläche × 2,5 m Höhe × gewünschte Luftwechsel je Stunde = benötigter CADR.
- Für Allergiker-Haushalte werden zwei bis vier Luftwechsel je Stunde empfohlen, nicht einer.
- Wir setzen pauschal die Hälfte der Herstellerangabe an — kein exaktes Ergebnis für zwei Luftwechsel, sondern ein bewusst vorsichtiger Sicherheitsabschlag, der auch für zwei bis vier Luftwechsel je Stunde reicht.
- Die Geräte in diesem Vergleich nennen CADR-Werte zwischen 110 und 500 m³/h.
- Ein zu kleines Gerät läuft dauerhaft auf hoher Stufe — und ist damit lauter als ein größeres auf niedriger.
CADR: die einzige Zahl, die sich vergleichen lässt
Der CADR-Wert gibt an, wie viel gefilterte Luft ein Gerät je Stunde abgibt — in Kubikmetern pro Stunde. Er ist das Produkt aus Luftdurchsatz und Abscheidegrad: Ein Gerät, das viel Luft bewegt, aber wenig zurückhält, kommt auf denselben Wert wie eines, das wenig Luft sehr gründlich filtert.
Anders als die Quadratmeterangabe ist der CADR eine Messgröße und keine Marketingaussage. Steht auf zwei Datenblättern 110 m³/h und 250 m³/h, dann bewegt das zweite Gerät gut das Doppelte an Luftmenge. Steht dort „bis 23 m²" und „bis 65 m²", sagt das dagegen nicht dasselbe: Zurückgerechnet stecken beim ersten Gerät rund 1,9 Luftwechsel je Stunde dahinter, beim zweiten nur rund 1,5 — beide Hersteller haben dieselbe Umrechnung unterschiedlich angesetzt.
Von m² zu m³/h: die Luftwechselrate berechnen
Der Rechenweg hat drei Schritte, und keiner davon braucht mehr als eine Multiplikation:
- Raumvolumen: Fläche in m² × Deckenhöhe. In Wohnungen sind 2,5 m ein brauchbarer Näherungswert.
- Gewünschte Luftwechsel: zwei je Stunde als Grundwert, vier bei starker Belastung durch Pollen, Tiere oder Verkehr.
- Benötigter CADR: Volumen × Luftwechsel.
Ein Beispiel: 20 m² bei 2,5 m Höhe ergeben 50 m³. Bei zwei Luftwechseln je Stunde braucht das Gerät 100 m³/h, bei vier Luftwechseln 200 m³/h. Ein Gerät mit 130 m³/h passt für diesen Raum also gut — und deckt bei zwei Luftwechseln rechnerisch rund 26 m² ab.
| Raumfläche | Volumen (2,5 m Höhe) | CADR für 2 Luftwechsel | CADR für 4 Luftwechsel |
|---|---|---|---|
| 10 m² | 25 m³ | 50 m³/h | 100 m³/h |
| 15 m² | 37,5 m³ | 75 m³/h | 150 m³/h |
| 20 m² | 50 m³ | 100 m³/h | 200 m³/h |
| 30 m² | 75 m³ | 150 m³/h | 300 m³/h |
| 40 m² | 100 m³ | 200 m³/h | 400 m³/h |
| 50 m² | 125 m³ | 250 m³/h | 500 m³/h |
| 60 m² | 150 m³ | 300 m³/h | 600 m³/h |
Für 50 m² brauchen Sie demnach 250 m³/h — ein Wert, den in diesem Vergleich nur die oberen Geräte erreichen. Wer ein Gerät für ein Homeoffice oder ein Büro von 12 bis 15 m² sucht, kommt dagegen mit 60 bis 150 m³/h aus und findet passende Geräte am unteren Ende der Preisspanne.
Der Hersteller nennt 60 m² Raumgröße. Wir setzen pauschal die Hälfte an, um auf die für Allergiker empfohlenen zwei bis vier Luftwechsel je Stunde zu kommen — damit bleiben rund 30 m².
Warum wir jede Herstellerangabe halbieren
Wie ein Hersteller von seinem CADR-Wert auf eine Quadratmeterzahl kommt, steht auf keinem Datenblatt — und rechnet man es für die Geräte in diesem Vergleich über CADR und Raumvolumen zurück, stecken darin meist zwischen 1,5 und knapp 2 Luftwechseln je Stunde, nicht der eine, den man naiv vermuten würde. Verlässlich ist die Angabe deshalb trotzdem nicht: Die Umrechnung unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller, offengelegt wird sie nirgends.
Deshalb setzen wir bei jedem Gerät im Vergleich denselben pauschalen Abschlag an: Herstellerangabe halbiert. Das ist keine exakte Umrechnung von einem auf zwei Luftwechsel, sondern ein bewusst vorsichtiger, einheitlicher Sicherheitsabschlag — er macht Geräte vergleichbar, deren Hersteller mit unterschiedlichen und nicht offengelegten Annahmen rechnen, und er reicht damit auch für die zwei bis vier Luftwechsel, die Allergiker-Haushalte brauchen.
Ein Nebeneffekt dieser Rechnung: Zwei Geräte mit nahezu gleichem CADR können sehr unterschiedliche Quadratmeterangaben tragen. Im Zweifel gilt der CADR.
Große Räume und offene Grundrisse
Bei offenen Grundrissen — Wohnküche, Wohn-Essbereich, Durchgangszimmer — ist die Fläche nicht das eigentliche Problem, sondern die fehlende Begrenzung. Gefilterte Luft verteilt sich in den ganzen Bereich, und der Raum, in dem Sie sitzen, bekommt nur einen Teil ab.
Zwei Wege führen weiter:
- Ein Gerät mit deutlicher Reserve. Rechnen Sie die gesamte offene Fläche, nicht den Bereich, in dem das Gerät steht. Ab etwa 60 m² zusammenhängender Fläche brauchen Sie 300 m³/h und mehr.
- Zwei kleinere Geräte statt eines großen. Sie decken zwei Zonen ab, laufen jeweils auf niedriger Stufe und sind zusammen oft leiser als ein Gerät auf Volllast. Der Nachteil sind zwei Filtersätze und damit doppelte Folgekosten.
Türen zu Nebenräumen sollten geschlossen bleiben, solange das Gerät läuft. Jede offene Tür vergrößert das zu reinigende Volumen um den Nachbarraum.
Wann sich ein Gerät rechnet — und wann nicht
Die Frage „ist ein Luftreiniger sinnvoll" lässt sich am Verhältnis von Durchsatz zu Raum beantworten, nicht am Preis. Sinnvoll ist ein Gerät, wenn drei Dinge zusammenkommen:
- Die Belastung kommt von außen oder bleibt im Raum — Pollen, Verkehrsfeinstaub, Tierhaare, Rauch.
- Lüften ist keine ausreichende Lösung, weil draußen die Belastung höher ist oder Lärm dagegensteht.
- Der CADR passt zum Raum. Ein Gerät mit 110 m³/h in einem 40-m²-Wohnzimmer schafft kaum mehr als einen Luftwechsel je Stunde.
Wenig sinnvoll ist ein Gerät dagegen bei feuchtem Mauerwerk, sichtbarem Schimmel oder einer Geruchsquelle, die sich beseitigen lässt. Ein Filter nimmt Partikel aus der Luft; er ändert nichts an der Ursache. Und ein zu kleines Gerät ist kein halber Erfolg, sondern läuft dauerhaft auf hoher Stufe — teurer im Strom, lauter im Betrieb und mit kürzerer Filterstandzeit.
Aufstellort: freistehend, nicht in der Ecke
Ein Luftreiniger zieht Luft an und gibt sie gerichtet wieder ab. Steht er in einer Ecke oder hinter einem Sofa, saugt er zu großen Teilen die eigene gefilterte Luft wieder an. Vier Regeln reichen:
- Mindestens 30 cm Abstand zu Wänden und Möbeln, an der Ansaug- und an der Ausblasseite.
- Nicht unter Tischen oder hinter Vorhängen — beides bremst den Luftstrom.
- In der Nähe der Quelle, wenn es eine gibt: am Fenster zur Straße, in der Nähe des Katzenkorbs.
- Im Schlafzimmer nicht direkt am Kopfende. Ein bis zwei Meter Abstand nehmen dem Luftzug und dem Geräusch die Aufdringlichkeit.
Bei geöffnetem Fenster arbeitet das Gerät gegen die Nachströmung von außen. Zum Stoßlüften kann es laufen bleiben; als Dauerzustand ist ein offenes Fenster und ein laufender Luftreiniger vor allem eine Stromrechnung.
Geräte für große Räume im Vergleich
Sechs Geräte nennen laut Hersteller Räume ab 60 m²; die drei bestbewerteten davon stehen hier. Wie nah der jeweilige CADR-Wert an den oben genannten 300 m³/h für diese Fläche liegt, unterscheidet sich deutlich – die gerechnete Fläche bei zwei Luftwechseln je Stunde steht in der jeweiligen Einschätzung.
Philips 900 Serie Luftreiniger AC0951, App-Steuerung
Der Philips Luftreiniger der 900 Serie (AC0951/13) kostet 129,00 Euro. Der Hersteller nennt eine CADR von 250 m³/h und Räume bis 65 m². Bei zwei Luftwechseln je Stunde, wie diese Site sie ansetzt, bleiben davon realistisch rund 32,5 m² – für ein großes Wohn- oder Schlafzimmer.
Dayette AP309 Luftreiniger mit HEPA-H14-Filter
Der Dayette AP309 kostet 84,99 Euro. Der Hersteller nennt für den HEPA-H14-Filter eine Bodenfläche von 100 m² – bei zwei Luftwechseln je Stunde, wie diese Site sie ansetzt, bleiben davon realistisch rund 50 m². Damit deckt das Gerät mehr Fläche ab als die meisten anderen Modelle in diesem Vergleich.
Philips PureProtect 3200 Serie Luftreiniger AC3210
Der Philips PureProtect der 3200 Serie (AC3210/12) kostet 279,99 Euro. Der Hersteller nennt eine CADR von 500 m³/h und Räume bis 130 m². Bei zwei Luftwechseln je Stunde, wie diese Site sie ansetzt, bleiben davon realistisch rund 65 m² – die größte gerechnete Fläche in diesem Vergleich und damit das einzige Gerät für einen offenen Grundriss. Bezahlt wird das beim Ersatzfilter.
Fazit
Rechnen Sie vor dem Kauf einmal nach: Fläche mal 2,5 mal zwei ergibt den CADR, den Ihr Raum braucht. Liegt das Gerät darunter, wird es dauerhaft auf hoher Stufe laufen — mit allen Folgen für Lautstärke, Strom und Filterstandzeit.
Die gerechnete Fläche bei zwei Luftwechseln je Stunde steht in der jeweiligen Einschätzung; Gerät, Filterausstattung, Einsatzort, Note und Preis aller dreizehn stehen im Vergleich. Wie sich die Stufe auf die Lautstärke auswirkt, steht im Ratgeber Schlafzimmer; was der Dauerbetrieb an Filtern kostet, im Ratgeber Filterkosten.